20 Frauen. Vier intensive Einheiten. Und das gemeinsame Ziel, sich stärker, sicherer und selbstbewusster zu fühlen.
Gemeinsam mit einer weiteren Trainerin durfte ich in Hof einen Selbstverteidigungskurs für Frauen geben – im Martial Mates Gym.
Bevor wir richtig gestartet sind, haben wir eine kleine Abfrage gemacht. Mich hat interessiert, warum die Frauen überhaupt da sind. Die Antwort war bei fast allen ähnlich – und ehrlich gesagt auch sehr berührend.
Die meisten kamen nicht, weil ihnen etwas Schlimmes passiert ist. Sondern weil sie vorbereitet sein wollen. Weil sie wissen möchten, wie sie sich in einer Notsituation verhalten können. Weil sie sich sicherer fühlen wollen – und vor allem selbstbewusster.
Natürlich wollten sie auch Techniken lernen, sich aus Griffen befreien können, handlungsfähig sein. Aber der eigentliche Wunsch lag tiefer: Vertrauen in sich selbst.
Ankommen, bewegen, ein Gefühl für den eigenen Körper bekommen
Wir haben den Kurs ganz bewusst mit den Kampfsport-Basics gestartet. Nicht, weil es „einfach“ ist, sondern weil es die Grundvoraussetzung für alles Weitere ist.
Um Griffe zu verstehen, sich zu befreien oder überhaupt reagieren zu können, brauche ich zuerst ein Gefühl für meinen Körper. Für Stand, Bewegung, Balance und Koordination.
Gerade in dieser ersten Einheit wurde mir wieder sehr deutlich, wie wichtig Kampfsport eigentlich ist. Diese Bewegungen, dieses bewusste Stehen – all das gibt so viel mehr als nur Technik. Es gibt Kontrolle, Stabilität und ein anderes Körpergefühl. Und genau deshalb sage ich immer wieder: Kampfsport ist so eine wertvolle Grundlage. Nicht nur für Selbstverteidigung, sondern fürs Leben.
Nähe, die unangenehm ist – und wie man damit umgeht
In der zweiten Einheit sind wir tiefer gegangen. Griffe, Umklammerungen, Würgesituationen. Themen, die sich erst einmal unangenehm anfühlen – körperlich, aber auch mental.
Gerade hier war es spannend zu sehen, wie viel sich verändert, wenn man versteht, was möglich ist. Wie ich mich aus einer Umklammerung befreien kann. Wie ich reagieren kann, wenn mir jemand zu nahe kommt. Nicht panisch, sondern bewusst.
Der Boden als Teil der Selbstverteidigung
In der dritten Einheit ging es dann auf den Boden. Wir haben geübt, wie man richtig fällt, wie man wieder sicher aufsteht und was man tun kann, wenn man sich plötzlich unten wiederfindet.
Der Boden ist für viele erst einmal beängstigend. Aber genau hier war es mir wichtig zu zeigen: Auch am Boden bist du nicht „raus“. Du kannst deine Füße einsetzen, Distanz schaffen, dich schützen und wieder aufstehen.
Techniken, die Stärke greifbar machen
In der vierten Einheit haben wir dann mit Hebeln und Würgetechniken gearbeitet – unter anderem Rear Naked Choke, Triangle und Armhebel. Es war beeindruckend zu sehen, wie fokussiert die Frauen gearbeitet haben. Wie aus anfänglicher Zurückhaltung echtes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wurde.
Ein Raum voller Frauen, der einfach gutgetan hat
Was für mich fast genauso wichtig war wie der sportliche Inhalt: der Raum selbst.
Ein Raum voller Frauen, die offen waren. Locker. Unterstützend. Wir hatten Spaß, wir haben viel gelacht, wir haben Neues gelernt – und niemand musste sich erklären oder beweisen.
Genau solche Räume braucht es mehr. Räume, in denen Frauen sich ausprobieren dürfen, stärker werden dürfen und merken, dass sie nicht allein sind.
Dieser Kurs war ganz sicher nicht der letzte.
Er hat mir wieder gezeigt, warum ich das mache – und wie viel Kraft darin liegt, Frauen zusammenzubringen, zu bewegen und zu stärken.
Danke an alle, die dabei waren. Für euer Vertrauen, eure Offenheit und eure Energie.
Es war richtig schön mit euch.
In Liebe,
Hannah 🖤